Eigentlich ist es doch jammerschade: Da denken wir uns - obwohl wir in den
Ferien sind - in mühevoller Kleinarbeit kostbare Wortfolgen aus, um unsere
zu Hause gebliebenen Zeitgenossen etwas aufzumuntern und sie an unserem
Sommerglück atmosphärisch ein wenig teilhaben zu lassen. Und dann landen
diese Postkarten, im besten Fall, auf irgendwelchen speckigen Küchen-
schränken, vergilben, mit der Bildseite nach aussen natürlich. Manch poeti-
sche Trüffel hat auf diese traurige Weise schon ihren Duft ungenossen
verhaucht. Damit aber ist nun Schluss. Künftig soll nicht mehr verdarben,
was der dichterische Genius in den feinsten Momenten der Vita ersonnen hat:
Hiermit geben wir die Gründung eines Museums für Postkartentexte, Mails
und SMS bekannt, - und da wir ja bekanntlich im elektronischen Zeitalter
leben, ist dieses Museum natürlich ganz und gar virtuell. Wenn Sie, liebe Leser
oder Leserinnen also nun plötzlich dieses poetische Drängen in sich detek-
tieren, dann schreiben sie nicht an Tante Auguri und mailen sie nicht an ihren
Kunden, schreiben sie uns an sh@xcult.org oder rstorz@xcult.ch. Sie können
ihren Text auch per Post an die BaZ schicken (BaZ-Feuilleton - Netzkunst -
Postfach - CH-4002 Basel) oder ein SMS senden an +41-(0)79-676 07 25.
Was Qualität hat, wird in unserem Museum einen Ehrenplatz bekommen.
Natürlich sollten die Texte nicht länger sein, als ein Postkartentext, ein Email
oder SMS eben ist. Sie sollten mit einem bildhaften Titel und selbstver-
ständlich mit Ihrem Namen versehen sein. Samuel Herzog
>> 3333 Anschläge auf die Kurztext-Kultur von Reinhard Storz