Gespräch mit Vogelvon Birgit KempkerHallo Birgit. Stock drin? Stecker Bügeleisen drin? Socken aus? Jacke an? Du bügelst 2 paar schwarze Socken. Die einen ziehst du an. Die anderen ziehst du an die Tennisbälle. Du sagst dabei: das ist hier nicht wie bei mir zuhause. Zuhause würden sie mich Kardamon schlagen sehen. Zuhause würden sie sehen, wie ich zum Kaffee Kardamon füge, Zimt, Schokolade, Ingwer und das trinke. Das ist Vorbereitung Nummer 1. Du ziehst dir die warmen Socken an. Dann ziehst du dir die Jacke aus und sagst dabei: Jetzt kommt Vorbereitung Nummer 2. Sie hat vor 15 Jahren im Kehrwiederturm, in Hildesheim angefangen, ich wärm sie kurz auf bevor ich ihnen das Gespräch mit Vogel führe. Vogelpräparieren mit leichter Drehung. Danach ziehst du die Jacke wieder an und sagst schon im Sitzen: Jetzt zeige ich Ihnen den Inhalt meiner Taschen: ein Hirn. Ein Hügel. Jetzt Gespräch mit Vogel. ( Stock ist noch drin) Anweisung: Mensch sitzt im Wald. Vogel sitzt Mensch rechts auf der Schulter. Mensch: Da sitz ich und hab einen Vogel. Vogel: Kennst du den Weg zum Speicher? Mensch: Ich hab keine Ahnung. Vogel: Du hast einen Vogel. Mensch: Wer hat dich? Vogel: Ich hab keine Ahnung. Mensch: Da sitzt du weit und breit auf meiner Schulter und hast keine Ahnung auf wem. Vogel: Da sitz ich auf was, was weit und breit da sitzt und keine Ahnung hat und hab keine Ahnung. Mensch: Wie hast du genau keine Ahnung? Vogel: Unter mir Schulter, links von mir Ohr. Ohr meines Gauls. Mensch: Kennst du den Weg zum Speicher? Vogel: Auswendig? Mensch: Par coeur. Vogel: Park hier? Mensch: Kennst du das Hirn neben den Ohren? Vogel: Kennst du die Füsse in den Socken? Mensch: Kennst du die Höcker hinter dem Hirn? Vogel: Zieh sie aus. Anleitung: Mensch zieht Socken aus. Bügelt sie. Friert an den Füssen. Bettet in die Socken das Hirn. Friert nicht im Kopf. Kopf wird warm. Schulter wächst. Himmel auch. In die Höhe. Weit und breit immer mehr keine Ahnung. Keine Ahnung wächst. Aussichten. Mensch: Weiter! Vogel: Keine Ahnung wie. Mensch: Wie immer. Vogel: Wie wie immer? (beide Hände) Vogel: Fliegen am Ort. Anleitung: Mensch sitzt im Wald. Vogel sitzt Mensch rechts auf der Schulter. Vogel: Wer einen Vogel hat, sitzt auch sonst auf dem Ast. Mensch: Gehn wir raus auf die Äste. Vogel: Sei mein Gast. Frage an alle: Wie soll Mensch, auf dem Vogel sitzt, quasi als Ast, Gast von Vogel sein? Kann wer unter wem und dessen Gast, quasi als Ast, beim Unterwemsein sein? Ahnung weg. Aussicht da. Es dämmert. Stimmung zart. Mensch: Den Ast seh ich nicht, auf dem du sitzt, der ich dir bin, nicht mich, nicht dich, wie soll ich mich in solcher Ahnungslosigkeit verlassen gehen, keine Ausstiegsluke, kein Schacht, keine Rampe, kein Fenster, kein Licht, wie soll ich zu dir als dein Gast gehen, die ich dein Gaul bin, wovon ich vom Pferd nichts versteh, als den Satz: wer Sätze kennt, kennt Tiere. Kennst du den? Vogel: Solche Sätze kämmst du unter mir? Mensch: Ich kämmte auch dich, wärst du ein Satz, pflegte ich dich. Vogel: Komm. Mensch: Woher? Bin ich nicht schon da? Schon vorher? Vogel: Sieh mal nach: Schulter. Links. Mensch: Besetzt. Vogel: Komm. Mensch: Wohin bettest du mich, gesetzt ich käme? Vogel: wenn du dich zu mir setztest, auf deine Schulter und die Aussicht genössest, und dich, den Schulteruntergrund, und weit und breit keine Ahnung, dann bät ich dich, wie du mein Beet und mein Bett und gebettet unter mir bist: weiter betten. Mensch: Weit und breit keine Ahnung und weiter betten. Vogel: Bette in die Socken Tennisbälle. Mensch: Gesetzt: ich sässe bei dir, weit und breit wir keine Ahnung beide, du bettetest mich und bätest mich: bette in die Socken Tennisbälle, wie seh ich dabei aus und aus was? Vogel: Wer von sich absieht, wird gesehen. Mensch: Wer sich von sich abwirft, fällt. Anleitung: Streit wer zuerst fällt. Ob wem das zuerst eingefallen ist, zuerst Schuld daran ist und ob wer zuerst Schuld daran ist zuerst die Schuld trägt, und ob aus Schuld tragen flugs fallen wird. Vogel: Du fällst zuerst. Mensch: Du fällst auf mich drauf, du bist ja schon auf mich drauf gefallen. Vogel: Es ist deine Schulter. Mensch: Du hast sie ausgesucht. Vogel: Wir sind uns beigefügt. Mensch: Du hast dich in meine Schulter gekrallt. Vogel: Du fliehst unter mir vorm Fallen weg, du schüttelst das Fallen ab wie fauliges Obst von dir. Mensch: Als Tier? Vogel: Du schüttelst dich und ich fliege, ich fliege und du galoppierst. Mensch: Du sagst zur Piste Gaul? Zu Fluhafen Flugzeug? Vogel: Da sitz ich auf dir, du beiger Acker und als ein Stück von dir, alles drei eineins und du hast keine Ahnung. Anleitung: Mensch dreht nicht den musculus splenius coli zu Vogel, Mensch stiert, Mensch sinniert. Mensch: Leuchtturm, Blinklicht, Sturmtier, Rumpfspitz? Vogel: Ich bin deine Tür. Mensch: Du bist instabil. Vogel: Ich tauf dich Türknauf. Vogel: Ich bin dein Ausgang, Nische, Bullauge, Seestich. Mensch: Wir schwadronieren. Vogel: mach aus deinem Hals keinen Knoten. Mensch: du bist mir in den Äther rechts vorangestellt. Vogel: als Anker. Vogel: Wir sind einer des anderen Ast. Mensch: Du bist meine Schulterlast. Vogel: Dein Fühlhorn bin ich. Mensch: Ich dein Landeplatz. Ohne mich hängst du in der Luft. Vogel: Ohne mich kriegst du keine Luft. Anleitung: Vogel und Mensch drehen den musculus pleni coli in die jeweils vom anderen möglichst entfernteste Richtung, wenn Entfernung möglich ist in diesem quasi semi siamesischen sozusagen sodomitischen Seinsstand. Vogel: Du schliefest nicht, wenn ich nicht Wache flöge. Mensch: Du flögest nicht, wenn ich den Schlaf nicht in den Ofen schöbe. Vogel: Du dümpeltest im Tümpel, ersticktest im Moor, von Aalen durchzogen, von Moos überzogen, in jedem Meer auf jede Art, zerhackt, zerstückt, durchaast, ertrunken, erlogen, erstunken, wenn ich nicht mit Ruck am Rumpfspitz zurück ins Revier dich flöte, dich nicht zurückpfiff, flög, zu dir selbst, wenn du ausgegangen bist, wie oft du ausgehst, wie oft du keine Ahnung hast und Fahrrad fährst, komatös am Fliegensilberschnürchen amok schläfst, zwirbel ich dich zurück, wirbel ich dich wach, zünd ich dich und nie sagst du Danke, als sei ich dir auf die Schulter ganz natürlich goldquastig in die Welt gestrahlt geboren gelb dazugegeben, Mensch an meiner Schnur, als sei ich dein Eingemachtes auf dem Kleiderschrank. Anleitung: Hier Problem. Schon mancher wurde von seinem Eingemachten, von Gürkchen, von Apfelmus und Preiselbeeren in seinem Bett erschlagen. Vogel: Du bist mein Kerker Mensch: Du bist mein Kerkererker. Vogel: Ich bin für deinen Spirit Sprit. Mensch: Das ist der Beginn einer wunderschönen Freundschaft. Anleitung: Vogel und Mensch geben sich die Hand. Ende. Geführt am 21. September 1996 in Luzern, o.T. Raum für aktuelle Kunst Prosart im Rahmen der Aktion 21- Performance Arbeit. |