Senpuav - wo der Pfeffer wächst
Einst war Senpuav der Inbegriff von Luxus. Hier, am Südfuss des Majorin, bauten sich die reichen Herrschaften aus Port-Louis riesige Residenzen, hierher zogen sie sich an Wochenenden zurück, hier feierten sie ausgelassene Partys. Doch dann kam die Wirtschaftskrise der frühen 1920er Jahre und viele der wohlhabend Bürger von Santa Lemusa verloren ihr Geld. Wenig später wurde es ausserdem Mode, in der Nähe von Meer und Strand zu bauen – Sonne und Wind waren plötzlich attraktiver als Schatten und Ruhe.
Als Folge davon wurden viele der Villen in Senpuav von ihren Besitzern verlassen. Manche der Gebäude wurden von den Bauern der Gegend als Ställe oder Lagerhäuser gebraucht – die meisten aber blieben leer und zerfielen.
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| Auch heute noch sind
viele der ehemals so prachtvollen Villen von Senpuav in einem desolaten
Zustand. |
Senpuav liegt in der südwestlichen Ecke der Forêt de Duvet und der Wald holte sich sein Territorium in Windeseile zurück. Manche der stattlichen Bauwerke von einst sind heute kaum mehr zu sehen – andere sind längst so baufällig geworden, dass keine Rennovation mehr möglich ist.
Zähne fletschen in den Ruinen
In den 50er Jahren wohnte laut offiziellen Angaben nur noch acht Menschen in Senpuav. Dann aber trat Diane Sainclair auf - eine Unternehmerin aus Paris, die sich darauf spezialisiert hatte, Drehorte für billige Horrorstreifen sowie erotische Filme zu finden. Sie kaufte einige der Häuser für einen Pappenstiel auf – liess zwei sehr sorgfältig renovieren und einige soweit herrichten, dass die Draculas in den Ruinen ihre Zähne fletschen konnten ohne dabei Gefahr zu laufen, von einem Balken ihres transilvanischen Schlosses erschlagen zu werden.
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| Filmkulisse von einst – heute Ort für
Feste und Seminarien: Der Salon der «Villa Diana» im Herzen von
Senpuav. |
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1971 wurde der erste Film in Senpuav gedreht - die Geschichte einer jungen Adeligen, die in ihrem Haus von einem 2000 Jahre alten Baumgeist gepeinigt wird, in den sie sich schliesslich verliebt. Die kleine Filmindustrie, die hier in den frühen 1970er Jahren heranwuchs und schliesslich mehr als dreissig Filme pro Jahr produzierte, führte zu einer allmählichen Wiederbesiedlung des Dorfes. Als die Firma von Diane Sainclair 1987 unter dubiosen Umständen aufgelöst wurde, lebten bereits wieder mehr als 200 Menschen im Dorf (im Jahr 2000 zählte die Siedlung gut 250 Einwohner).
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| In der Villa «Diana» wurden einst Filme gedreht, heute gehört das Haus der Gemeinde, die es für Seminarien vermietet. |
Eines der Häuser von Sainclair (die «Villa Diana») ging in den Besitz der Gemeinde über, die es für vor allem für Feste und Seminarien vermietet. Eine der grössten Villen des Dorfes gehört aber auch heute noch einer französischen Firma, die hier Filme produziert und sogar einen Pool mitten im Urwald ausheben liess. Die Dorfbevölkerung bekommt von diesen Produktionen nicht viel mit – und folglich erzählt man sich die unglaublichsten Geschichten.
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| Rotgereifte Pfeffer in einem der Gewürzgärten von Senpuav. |
Auf Santa Lemusa ist Senpuav vor allem wegen seiner Gewürzgärten bekannt. In diesen kleinen, sorgfältig gepflegten Plantagen werden Zimt, Kardamom, Muskat, Pfeffer, Gewürznelken, Vanille und manch anderes Aromatikum angebaut. Auch Suzanne Confiant bezieht einige ihrer Gewürze von hier, um sie dann in den eigenen Werkstätten weiterzuverarbeiten. Der Anbau von Gewürzen hat in Senpuav Tradition – das spiegelt schon der lemusische Name des Dorfes, der wörtlich übersetzt etwa «Heiliger Pfeffer» bedeutet. Wobei uns bisher niemand erklären konnte, was denn am Pfeffer aus diesem Dorf «heilig» sein soll.
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| Die «Maison Lara» – Wohnort des berühmtesten geheimagenten von Santa Lemusa. |
Einen gewissen Ruf hat Senpuav auch wegen der «Maison Lara» – einem Haus mit grossem Garten, das etwas am Rande des Dorfkerns liegt. Obwohl von bescheidener Gestalt und Grösse, gehört die «Maison Lara» doch zu den berühmtesten Gebäuden der Gemeinde. Das hat damit zu tun, dass hier Hektor Maille wohnen soll, der beste Mann des Geheimdienstes von Santa Lemusa, des so genannten Deuxième Bureau (siehe «Mission Kaki»). In der Küche der Maison Lara waltet, so der Agent nicht selbst am Herd steht, die Köchin Odette Sissay. Ihr verdanken wir auch viele der Rezepte, die wir auf diesen Seiten wiedergeben – zum Beispiel jenes für die herrlichen Tripes à la mode de Senpuav. • Drucken • Kommentieren • Newsletter |