Um seine Nachforschungen in Sachen «Kohl» voranzutreiben, richtete sich Maille bald schon in einem Restaurant hinter dem «Platz des 18. Mai» ein. Das Lokal hiess «Hangari» und warb mit einem auf farbigen Bannern versprochenen Rinder-Eintopf um den Gaumenspeichel des Publikums. Maille bestellte eine Suppe mit Muscheln und weichem Tofu und machte sich dann über die butterzarten Rindfleischwürfel her, die, wie in Korea üblich, in Begleitung zahlloser Schüsselchen mit kleinen Beilagen (sogenannten Banchan) aufgetragen wurden: marinierte Bohnen, scharfe Sardellen, Gurken mit Sesam, Klettenwurzel, Lotus, eingelegter Knoblauch und natürlich Kimchi.
Während sich sein Gaumen mit jedem Bissen mehr in der würzigen, salzigen Schärfe verlor, dachte Maille über das seltsame «Siegel Salomons» nach, das Tatjana ihrem Vater hatte zukommen lassen. Das Zeichen musste aussehen wie ein Davidsstern – aus welchen Materialien aber war es geschaffen? Und was wollte Tatjana ihrem Vater dadurch mitteilen? Marie hatte am Telefon resümiert, was die «Encyclopédie Universelle Maisonneuve & Duprat» zum Thema zu sagen hatte. Demnach handelte es sich beim Siegel Salomons um einen magischen Ring, der einst König Salomon gehörte und ihm die Macht gab, Dämonen und Geister zu beherrschen – oder auch mit Tieren zu sprechen. Dieser Doktor Dolittle-Ring spielte vor allem in mittelalterlichen Legenden immer wieder eine wichtige Rolle – und zwar sowohl in jüdischen, christlichen wie auch in islamischen Geschichten. So interessant all dies war – es erklärte keineswegs, warum Tatjana ihrem Vater ein solches Zeichen hatte zukommen lassen. Schwebte sie in Gefahr? Steckte Dr. Hing dahinter? Sollten böse Geister unter Kontrolle gebracht werden? Nur welche? Rief Koslows Forschung Dämonisches herbei? Oder war alles bloss ein Scherz? Wollte sie, dass ihr Vater mit den Ratten in seinem Labor reden konnte? Gab es überhaupt Ratten in diesem Labor?
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