F a s z i n a t i o n

J a p a n

Japan, ein Land das bei uns vor allem durch seine lndustriegüter bekannt ist, und dessen Volk wir vorwiegend als in Gruppen auftretenden Touristen kennen. Man hört auch öfters, dieses Land sei der Schweiz sehr ähnlich, so würden die Japaner auch auf einer „Insel" leben, die sich nach wie vor schwer tut sich nach aussen zu öffnen; sie haben Berge wie wir, leben auf engem Raum zusammen und schliesslich sei der Lebensstandard so hoch wie bei uns in der Schweiz. Meiner Meinung nach, erliegen viele Leute aber dem Trugschluss, dass ein Volk, welches die gleichen Stereoanlagen, Fernseher, Autos, Computer, Musikinstrumente, Telefone und Druckbleistifte benutzt, eine ähnliche Kultur haben muss wie wir. Wenn man sich mit der Japanischen Kultur auseinanderzusetzten beginnt, stellt man in kürze fest, dass die kulturelle Entfernung etwa der geographischen entspricht. Ich möchte hier nicht behaupten, dass ich die japanische Kultur genau kenne, aber bei der Auseinandersetzung mit Büchern, japanischen „Kulturgütern" und japanischen Menschen (die es in die Schweiz "geschafft" haben) habe ich diese tiefgreifenden Unterschiede kennengelernt.

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M e i n

I n t e r e s s e

Mein Interesse an Japan und seiner Kultur hat mich dazu bewogen, einen zehn wöchigen Aufenthalt in Tokyo und Umgebung zu planen. Ich möchte die Vorstellungen über Japan, welche in meinem Kopf herum schwirren, demontieren und durch reale Eindrücke und Erfahrungen ersetzen. Ich habe mich aus zwei Gründen entschieden nicht in Japan herumzureisen, sondern die meiste Zeit an einem Ort, in Tokyo, zu verbringen. Erstens, weil ich davon ausgehe, dass ich etwas Zeit brauche, um mich an das neue Umfeld zu gewöhnen und zweitens, weil ich meine, dass zuviel Eindrücke die Sicht auf das Feine und Unscheinbare versperren würden. Die Erfahrungen, welche ich machen werde, will ich, in geeigneter Form einem interessierten Publikum zur Verfügung stellen, um etwas zu einer kulturübergreifenden Diskussion beizutragen.
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D e r

I n h a l t

Im Zentrum meiner Arbeit steht die persönliche Begegnung. Mich interessiert der Alltag in Japan, die Menschen, ihre Gewohnheiten und Visionen.

So geht es zum Beispiel um Fragen wie: Was macht Miki Takahashi am Freitag abend? Weiterbildung in den „erholsamen Künsten", wie funktioniert das, und welchen Stellenwert hat es für Akkiko Shimo? Wie funktioniert Körperpflege in Japan, welche Rolle spielt das Baden für Mr. Okubo?

Diese und viele andere Fragen sollen anhand von Gesprächen und Beobachtungen beantwortet werden. Persönliche Stimmungsberichte meinerseits sollen diese Statements ergänzen. Alle diese Inhalte werden in das Tagebuch eingebaut und im Rahmen meiner Berichterstattung veröffentlicht. Aus meiner Sicht, dem Gaijin, der in die Altagskultur von Tokyo eintaucht, Teil davon wird, sie lebt und darüber schreibt, biete ich nicht nur den Fremden einen Blick auf die japanische Kultur, sondern auch den JapanerInnen einen Blick auf ihre Lebensweise aus einer anderen Perspektive.

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Die Methode Um die Unsicherheiten von Seiten der japanischen Menschen, die sich zum Teil noch nie mit EuropäerInnen unterhalten haben abzubauen, werde ich mich mittels eines kleinen Fotoalbums vorstellen. Dieses beinhaltet Bilder von meinem Umfeld, meiner Familie, meiner Wohnung, meinem Arbeitsplatz und anderem. Ich erhoffe mir damit, dass sich mein Gegenüber das Leben des Gaijin etwas besser vorstellen kann. Wenn sich mein Gesprächspartner oder meine Gesprächspartnerin noch mehr für mein Leben interessiert, werde ich auch im Detail Auskunft geben und möchte dann die Chance nutzen, um sie auch über ihr Leben zu befragen. Es soll so ein eigentlicher Austausch stattfinden. Diese Prozesse werde ich in meinem Tagebuch dokumentieren und so können auch die japanischen LeserInnen etwas über die "seltsamen Europäer" erfahren. Eine weitere Methode wird sein, sich Zeit zu nehmen. Also zum Beispiel einen Tag in einem Kaffeehaus zu sitzen und zu schauen, was passiert. Ich erhoffe mir von diesem Vorgehen die feinen Dinge zu sehen, die unscheinbar da sind aber sich erst nach einer Weile zeigen. Um die Leute in ihrem Alltag beobachten zu können, möchte ich mit ihnen zusammen arbeiten. So plane ich zum Beispiel einen Tag in der Autogarage der Familie Shimo mitzuhelfen.
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Die Form Da ich keinen Anspruch auf repräsentative Aussagen stelle und es primär um die Begegnung mit einzelnen Menschen geht, erachte ich das Tagebuch als ideale Form, um darüber zu berichten. Es bietet die Möglichkeit ganz persönlich Stellung zu nehmen und erlaubt den Interessierten einen sehr nahen Einblick in die Situationen. Wenn man ein Tagebuch mit dem lnternet verbindet, zeigen sich zwei wesentliche, zusätzliche Aspekte: nämlich, dass das Tagebuch permanent aktualisiert werden kann und sich so den BetrachterInnen Stück für Stück und immer aktuell preis gibt. Diese Art von Berichterstattung gibt dem Tagebuch etwas Direktes, Unmittelbares. Als zweiter Aspekt ist zu nennen, dass die Homepage-BesucherInnen direkt Stellung beziehen oder Anregungen geben Können. Somit wird die Arbeit in sich zu einem interaktiven Abenteuer. Ich mache sozusagen eine Entdeckungsreise in Japans Alltagskultur und berichte dem "global village" online über meine persönlichen Erlebnisse. Alle lnternetuser können reagieren und dadurch mein Handeln direkt beeinflussen. Zusammenfassend kann man sagen, dass das lnternet, in diesem Projekt, nicht nur als Medium der Veröffentlichung dient, sondern auch als Informationsquelle, Kontaktmedium
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D i e

G e s t a l t u n g

Es sollen möglichst alle Elemente, die zur Gestaltung von Internet-Pages zur Verfügung stehen genutzt werden. Die einzige begrenzende Grösse ist die Datenmenge. Es gilt einen Kompromiss zwischen gestalterischer Freiheit und Datenmenge zu finden. Um auch kleine Videoclips zeigen zu können, ist es notwendig, mit einer Videokamera zu arbeiten. Dies wiederum stellt hohe Anforderungen an die Bildgestaltung bei den Aufnahmen, da sowohl auf gute Standbilder als auch auf gute Videosequenzen geachtet werden muss. Da ich aber glücklicherweise auf einige Erfahrungen zurückgreifen kann, fühle ich mich in der Lage, dies zu meistern.

Um die Datenmenge tief zu halten, kombiniere ich verschiedene Bilder eines Tages. Dies wird unter Verwendung eines leistungsfähigen Grafikprogramms (Adobe Photoshop) möglich. Gleichzeitig entsteht eine sehr subjektive Sehweise, weil ich so Teile der Bilder, die mir unwesentlich erscheinen, kaschieren kann.

Durch gezieltes Hinzufügen von unrealistischen Elementen, zum Beispiel durch die in Photoshop manipulierten Stills, oder durch eindeutig der Phantasie entsprungenen Situationsbeschreibungen, soll im Rezipient dauernd die Frage nach dem Wahrheitsgehalt erhalten bleiben. Die Methode der Verzerrung der Realität wird dazu genutzt, die persönlichen Eindrücke zu isolieren und zu überzeichnen. Ich denke, dass ich durch den Bruch mit der Realität vermeiden kann, dass sich der Betrachter in die Rolle des Voyeurs gedrängt fühlt.

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D e r  Z e i t p l a n 1. Januar 98 bis 15. April 98 Vorbereitung des Projekts

Erstellen eines Konzepts

Recherche auf dem Internet

Suchen einer geeigneten Unterkunft

Suche eines Uebersetzers

Kontakte zu Leuten vor Ort aufbauen

Kontakte zu Organisationen vor Ort aufbauen

Suchen nach zusätzlichen Publikationen zum Thema

Suchen von Sponsoren

Feinplanung der Reise

Zusammenstellen der nötigen Technik

Vorbereiten der Homepage

Test des ganzen Systems

Planen und realisieren der Werbung für die Homepage

Vorstellungsveranstaltung des Projekts und gleichzeitiger Start des online diarys

13. April 98 bis 18. Juni 98 Aufenthalt in Japan

Reise nach Tokyo

Tägliche Aufbereitung der Homepages

Rückreise in die Schweiz

20, Juni 98 bis Ende 98 Nachbearbeitung des Projekts

Publikation als CD-ROM

Schneiden eines Dokumentarvideos mit dem gewonnenen Material

Abschluss des Projekts im Dez. 98

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D i e  T e c h n i k

Die folgenden neuen technischen Möglichkeiten werden in dieser Arbeit

berücksichtigt: 

Das direkte Einlesen von Stills (Videostandbilder) in guter Qualität, von digitalen Videokameras in Computer

Die damit verbundene Möglichkeit der Auswahl aus 25 Vollbildern pro Sekunde

Das Digitalisieren und Codieren von Videosequenzen im MPEG-1 Standard

Das Digitalisieren vom Videoton

Die Bearbeitung und Komprimierung der Stills mittels Grafikprogrammen

Das einfache Einbinden von Bildern und Tönen sowie Texten in Webpages

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